Der Tiger im Zoo

An den verzweifelten Kreise,
die er unablässig geht, ist seine 
Ohnmacht überdeutlich zu erkennen.
Seine stumme Not schreit bis zum Himmel...

Hin und her, hin und her...
pausenlos die gleichen Schitte, entlang der
kalten Stäbe, an die er sein prachtvolles Fell drückt.

Seine müden Lider und der hängende Kopf gehen
nicht mehr einher mit  seiner majestätischen Schönheit.
Seine kraftvolle Eleganz ist in den grauen Mauern längst erblasst.

Wir haben ihn entwürdigt, in dem wir ihn der 
Freiheit  beraubten und hinter Gitter steckten.
Lebenslänglich!

Und tausend starrende Augen betrachten 
jahraus, jahrein seine traurige Ausweglosigkeit. 

Ich habe ihm die Achtung und Würde erwiesen,
ihn wenigstens von meinem Blick zu erlösen -
für immer.

Text by Bea Kälin

Zoo