Trauma

Künstlerin: Twyla Francois
Künstlerin: Twyla Francois


Es gibt unzählige Aktionen von Tierrechtsaktivisten, eine davon, die ich neulich sah, waren Menschen verkleidet mit rotbespritzten Schweinekostümen, die den Horror in den Schlachtfabriken mimten. Sie windeten sich auf dem Boden in einer Fussgängerpassage während aus einem Lautsprecher schreckliche Schreie von Schweinen zu hören waren...

Just eine solche Aktion liess einen Passanten vor Wut explodieren. Mit seinem kleinen brüllenden Kind auf dem Arm stürzte er auf die Aktivisten zu und schrie: «Was macht ihr denn da?! Seht ihr denn nicht, dass es hier auch Kinder gibt? Meine kleine Tochter hat Panik und schreit nur noch! Ihr seid sowas von verantwortungslos!» Schimpfend drehte er sich um und ging von dannen, während sein Kind die Seele aus dem Leib brüllte.

Der wütende Appell des Mannes, der an die Tierschützer adressiert war, hätte er eigentlich an sich selbst richten sollen:
«Was für eine Gräueltat unterstütze ich denn da, die mein kleines Kind derart in Panik versetzt? Was für ein verantwortungsloser Vater bin ICH, der nicht in der Lage ist darüber zu reflektieren, was der Mensch den Tieren antut?!»

Das Kind spiegelt mit seinem Tränenausbruch die ehrliche und gesunde Reaktion auf ein Geschehen, das grausam und zutiefst verstörend ist. Der Vater indes, verdrängt durch seine Schuldverschiebung die Tatsache, dass hier eine wahrhafte Szenerie dargestellt wird, die in jeder Sekunde auf diesem Planeten stattfindet.

Ginge er mit seiner kleinen Tochter in einen Schlachthof, wäre die Panik und Hysterie des Mädchens noch grösser und er müsste sich einige Fragen gefallen lassen, nämlich:" Papa, warum lässt du mich sowas essen? Warum machst du nichts gegen diese Grausamkeiten? Warum beschimpfst du nicht diese Leute, die den Tieren so brutal weh tun? Warum erklärst du mir nicht, was ich da auf dem Teller habe? Und vor allem: Warum unterstützt du dieses teuflische Treiben, indem du die Körperteile von diesen armen Wesen kaufst?»

Kein Elternteil würde je mit seinem Nachwuchs an einen Ort gehen, wo Blut spritzt, Tiere gefoltert und bestialisch hingerichtet werden. Aus gutem Grund gibt es keine Schulausflüge in Schlachthöfe, denn man würde die Kinder massiv traumatisieren -, das Trauma jedoch, steckt man ihnen von klein an direkt in den Mund!

Kinder vertrauen voll und ganz darauf, dass die Nahrung, die ihnen ihre Eltern auftischen, in Ordnung geht. Sie haben keine Ahnung, was man ihnen verschweigt und sie können nicht wissen, dass ihre Fragen irreführend beantwortet werden. Aus heutiger Sicht betrachte ich es als eine Seelen- und Körperverletzung, dass man Kindern Leichenteile von fühlenden Wesen vorsetzt, die sie lieben und denen sie selbst niemals etwas zuleide tun würden.

Den Kindern die Augen und Ohren zuzuhalten, damit sie nicht mitbekommen, welche brachialen Praktiken in den Tierfabriken das tägliche Geschäft sind, halte ich für ein Verbrechen an unserer nächsten Generation! Sie nicht darüber zu informieren, dass unsere Mutter Erde sich hauptsächlich wegen der Massentierhaltung in Todeskrämpfen windet, ist eine Unterschlagung, dessen Defizit dramatische Folgen haben wird - für alle Erdlinge!

Text by: Bea Kälin