Tiere im deutschen Sprachgebrauch

Betrachten wir, wie Tiere in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingebunden sind, dann fällt auf, dass sie nicht selten missbraucht werden um Menschen zu beschimpfen. Das ist so tief verankert, dass es einen nicht einmal mehr bewusst ist. Schon in Kindertagen haben wir von unseren Vorbildern gelernt, wie man Menschen durch Tiernamensgebung etikettiert und schubladisiert.

"Doofe Gans", "blöder Esel", "dumme Kuh", "blödes Huhn", "dummes Schaf", "falsche Schlange", "lahme Ente", sind gängige und vielverwendete Ausdrücke, um den Unmut seinem Gegenüber kund zu tun.

Mit dem Schwein wird auch viel und oft tituliert, wenn starke Aggressionen im Spiel sind: "Fette Sau", "Du Sau!", "Du frisst wie ein Schwein", "Du stinkst wie eine Sau", "das ist eine Sauerei", "Schweineigel" (da muss der Igel auch noch herhalten) oder schlicht "Du bist ein Schwein!".
Jemanden mit "Schwein" zu beschimpfen, soll vorallem klar machen, wie tief nach unten dieser Mensch in der eigenen Werteskala gesunken ist.
Mit dem "Schweinehund" beziehen wir sogar noch den besten Freund des
Menschen - den Hund - mit ein.
Dass das Schwein aber auch Glück bringen soll, wenn es ansonsten als Abwertung herhalten muss, ist sehr ambivalent.

Auch verwenden wir für tierische Lebensumstände oder Aktivitäten ganz andere Ausdrücke, als bei uns Menschen.
Zum Beispiel essen Tiere nicht, sie fressen. Tiere gebären nicht, sie werfen. Tiere sind nicht schwanger, sie sind trächtig. Tiere haben keine Kinder, sie haben Junge oder einen Wurf. Tiere umwerben nicht ihre Liebste, sie balzen. Tiere haben keinen Sex, sondern "er" deckt "sie".

Damit soll gezeigt werden, dass wir mit Tieren keine Gemeinsamkeiten haben, die wir aber ganz offensichtlich doch haben. Oder anders formuliert: Die menschlichen Bedürfnisse stehen über jenen der Tiere, und werden deshalb in edlere Formulierungen gepackt. So wird strickt eine Trennungslinie zwischen Tier und Mensch gezogen!

Natürlich gibt es auch die andere Seite, in der wir Tiere auserkoren haben um unsere Liebsten zu bezeichnen: "Mäuschen", "Bärchen", "Käferchen" oder "Schmusekätzchen". Allerdings haben es die sogenannten Nutztiere noch nie in die Rangliste der Kosenamen geschaft, was nicht sonderlich vewundert.

Dass Tiere fernab sind von unserer Spezies, soll darin gezeigt werden, indem wir unsere Mitmenschen mit Tiernamen erniedrigen -, oder glauben zu erniedrigen.

Ich entferne die Tiere aus dieser abwertenden Kategorie, in dem Bewusstsein, dass auch dies ein weiterer Missbrauch ist, den sie absolut nicht verdient haben!

Text by: Bea Kälin