Hoffnung

25.12.2020
Joey und Tinsel
Joey und Tinsel


Es ist Weihnachtszeit und die schönsten Wünsche zum Fest kursieren durch die sozialen Medien.
Ich jedoch habe einen Kloss im Hals und einen bleiernen Druck auf der Brust, der mir das Atmen schwer macht...

Meine Gedanken und Gefühle kreisen um all die Tiere, die in ihren Verliessen dahinvegetieren; verlassen und gedemütigt. Ich sehe ihre Augen - diese reinen unschuldigen Blicke, die nicht fassen können, was ihnen da widerfährt. Malträtierte Seelen, die keine Zuwendung erfahren. Sie sind Abfall und Egobefriediger einer verrohten Menschheit, deren Ignoranz den Weg zum Mitgefühl versperrt.

Nach einer tränenreichen Nacht entsann ich mich an das Video des Tierrechtsaktivisten
Joey Carbstrong. Er und sein kleines Team drangen in ein Mastbetrieb von Truthähnen irgendwo in England ein.
Drinnen war es finster und tausende von Tieren waren dicht aneinandergedrängt. Die Absicht des Teams war diese grauenvollen Zustände zu dokumentieren, denn gerade zur Weihnachtszeit werden in Grossbritannien 10 Millionen Truthähne allein nur für dieses Fest hingerichtet.
In den einzelnen Szenen sah man verletzte und deformierte Tiere. Einige lagen auf dem Rücken, weil sie ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen konnten, ein Vogel war so stark an Viren und Bakterien erkrankt, dass er buchstäblich am lebendigen Leibe verfaulte. «Der Geruch ist grauenvoll», sagte Joey, und in seinen weitaufgerissenen Augen spiegelte sich das blanke Entsetzen, während er sich die Hand vor die Nase hielt.

Die Tierrechtsaktivisten begaben sich danach auf eine sogenannte Truthahn-Bio-Farm. Das Bild, welches sich ihnen dort darbot, war allerdings nicht viel besser. Auch hier drängten sich hunderte von Tieren dicht an dicht. Sie standen oder lagen in ihrem eigenen Kot und warteten auf ihren Tod.

«Das wird jetzt die schwerste Entscheidung meines Lebens» flüsterte Joey «ich muss mich für ein Tier entscheiden, das ich retten will». Bebend fuhr er fort: «All diese kleinen Babyaugen, die mich anschauen, und ich kann nur eines mitnehmen», sagte er traurig und den Tränen nahe, während er sich runterbeugte und ein Truthahnmädchen aufhob. «Wir nennen sie Tinsel», erzählte Joey und streichelte ihr sanft über das Gefieder.

Zuhause angekommen, wird Tinsel liebevoll umsorgt. Sie erhält ein Bad, das ihr verklebtes Gefieder wieder zum Glänzen bringt, sie bekommt essen und endlich frisches Wasser. Mehr und mehr fasst sie vertrauen zu Joey, der ihr unablässig versichert: «Keiner wird dir je wieder weh tun, du wirst niemandes Weihnachtsessen sein. Du bist jetzt frei.» Immer wieder kuschelt sich Tinsel in Joey's Arm, schliesst erschöpft ihre Augen während er sie sanft am Köpfchen streichelt.

Mit diesen wärmenden Bildern in der Seele, denke ich an all die veganen Freunde, die trotz Schnee und Kälte ihre Schilder für die Freiheit der Tiere hochhalten, die nicht müde werden sich dem Kampf «David gegen Goliath» zu stellen. Mutig und entschlossen sind sie unterwegs für unsere Brüder und Schwestern, mit der Zuversicht, wenigstens ein Menschenherz durch ihre Aufklärungsarbeit zu berühren.

Und während ich dem Walzer lausche, der mein Mann auf dem Klavier eigens für mich zu Weihnachten komponiert hat, schliesse ich meine Zeilen mit dem tiefen Dank an alle Tierrechtsaktivisten, die rund um den Globus einstehen für die Gerechtigkeit, die Würde und die Freiheit der Tiere.

Seid gesegnet und umarmt, lasst uns die Hoffnung nie verlieren, dass unsere Botschaft für die armen und geschunden Geschöpfe doch noch erhört werde.

Text by: Bea Kälin

Video: Joey und Tinsel