"Die Milch machts!"

Von Kindsbeinen an, wurden wir mit Werbung geradezu überflutet. Die schönsten und lustigsten Spots flimmerten über den Bildschirm mit Kühen, die Fussballspielen, Skifahren oder gar Bergsteigen. Natürlich können die das alles deshalb, weil sie Milch trinken(?) So hätte man es zumindest verstehen können. Was wir aber dringendst hätten tun müssen, ist hinterfragen!
Da weder unsere Eltern noch sonst irgend jemand sich kritisch zu diesen Anpreisungen geäussert haben, fiel es uns gar nicht ein - oder besser gesagt - auf, dass da etwas faul an der Sache ist.
Vielmehr wurden wir darauf aufmerksam gemacht, wie grandios die Werbung animiert ist, oder wie lustig und süss die Kuh doch sei!
Ich denke, wir wurden geradezu zur Blödheit erzogen: Von der g
anzen Milch- und Fleischindustrie, zusammen mit der gesamten Gesellschaft!

Aus diversen Spots kennt man die Milchkuh «Lovely». Sie ist der Star der Firma «Swissmilk» und mit ihr werden die abartigsten Filme und Plakate kreiert.
Ich dachte mich trifft der Schlag, als ich das Bild mit der Kuh sah, die in Reih und Glied mit ihrem Nachwuchs dasteht und alle sind gerüstet für den gemeinsamen Badeausflug, oder wie sie sitzend auf einem Fahrrad mit ihren zwei Kleinen im Anhänger durch die Gegend fährt...
Eine Mutterkuh mit ihren Kleinen?! Eine Mama mit ihren Kindern?! «Oh ja, wie süss!» denkt sich der Milchkonsument und freut sich über solch liebevollen Bilder, während er sein Müsli anrichtet.

Niemand käme auf die Idee, dass all diese Kreationen der Werbeindustrie fernab von jeder Realität sind. Und das soll auch so sein! Es ist der absolute Betrug, der da stattfindet und es scheint, dass der Mensch sich noch so gerne über den Tisch ziehen lässt, damit er weiterhin daran glauben kann, dass Milch etwas Natürliches und Gesundes sei, während die Realität düster und grausam für die Milchkühe und deren Babys ist.
Es ist demütigend für die Tiere, was sich Werbeleute alles einfallen lassen, um deren Produkte - im wahrsten Sinne des Wortes - an den Mann zu bringen.

Ein Werbebild zeigt ein Radrennfahrer, wie er bei der Kuh «Lovely» einen Zwischenhalt macht, sich bei ihr ein Glas Milch abzapft, um wieder weiterfahren zu können.
Ein anderes wiederum zeigt eine Jungenfussballmannschaft, die sich an der Kuh genüsslich tut...
Diese Sujets sind an Perversion nicht zu übertreffen und gehen weit über den guten Geschmack hinaus. Ein erwachsener Mann an der Zitze einer anderen Spezies, stiehlt die Milch, die für das Kind der Kuh bestimmt ist. Jungs trinken Muttermilch eines Tieres, deren Kinder man ihr gewaltsam entrissen hat.

Zynischer und achtloser kann man ein fühlendes Wesen nicht verhöhnen, das in der Realität gezwungen wird durch die finsteren Machenschaften der Menschheit zu gehen!

Die Macht der Bilder nutzt die Werbeindustrie gnadenlos aus und der Konsument fällt gedankenlos darauf herein. Es ist die perfekte Hirnwäsche, die deshalb so tief greift, weil wir ihr schon als Kinder ausgesetzt waren.
Anders kann ich es mir nicht erklären, dass es unmöglich erscheint zu reflektieren, dass doch jedes Säugetier nur nach einer Geburt Milch gibt.

Wie können wir das übersehen? Was hindert uns an logischen Gedankengängen?
Früh lernen wir den Mechanismus der Verdrängung und mit Akribie werden wir von der Werbeindustrie und dem kapitalistischen System darin unterstützt.
Bis heute glauben viele Menschen noch, dass eine Kuh Milch gibt, weil sie gesundes Gras frisst. Das ist mehr als nur bedenklich!

Text by: Bea Kälin

Video: "Wenn Werbung für Kuhmilch ehrlich wäre."