Der Zirkuselefant

Eine mit glänzenden Pailletten bestickte Decke ziert seinen mächtigen Rücken. An der Stirn irgendwelche Maskerade, die ihn festlich schmücken soll.

 Zirkusmusik, laut und grell. Auf Kommando dann der Kopfstand auf seinem kraftvollen Rüssel. Alles klatscht und lacht. Freudiger Kinderjubel... 

Er weiss nicht, was das soll, er begreift nicht, wozu er dies tut. Er tut es einfach, weil er keine andere Wahl hat. Er tut es, weil man ihm irgendwann einmal den Willen gebrochen hat. 

Seine Augen sind angstvoll aufgerissen, vor seinem Mund steht Schaum. Endlich der letzte Tusch des Orchesters.
Er darf die Manege verlassen. 

In seinem kleinen Stall steht er nun. Das kalte Metall der Kette um seinen Fuss geschnallt. Den Kopf wiegt er hin und her... Stereotypes, stundenlanges Pendelschwingen mit dem Rüssel. Bis zur nächsten Vorstellung, bis zur nächsten Demütigung. 

Trauriger, entwürdigter Elefant in der Manege der Belustigung. Er weiss nicht, was das soll, er weiss nicht, wozu er dies tun muss...

Text by Bea Kälin